It's Time to Feel Good

Immer mehr Unternehmen stellen Feelgood-Manager ein, die sich um das Wohlergehen der Mitarbeiter kümmern sollen. Dahinter steckt viel mehr als eine Bereitstellung von Obst und einem Kickertisch. Richtig angewandt kann sich gutes Feelgood-Management merkbar auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens auswirken.

“Früher hat man sowas auch nicht gebraucht, die Arbeitnehmer sind heute verweichlicht” – so begrüßt mich ein erfolgreicher Unternehmer kurz vor Beginn meines Talks, den ich im Rahmen einer Konferenz zum Thema "Feelgood-Management" halten soll. Neu sind mir diese Reaktionen nicht. In den 4 Jahren, die ich als Feelgood-Managerin tätig bin, habe ich ähnliche Reaktionen häufig erlebt.

Ob beim Networking, wenn ich gefragt wurde, was ich beruflich mache, ob beim Familienfest oder im Freundeskreis: Der Jobtitel polarisiert erst einmal. Und auch die zum Teil unglücklichen Darstellungen in den Medien führen zu einem verzerrten Bild. "Mia 26 versorgt die Kollegen zweimal die Woche mit frischem Obst und Kuchen" ist eine beispielhafte Darstellungsweise einer Feelgood-Managerin in einer Tageszeitung.

Ich selbst wurde mehrmals von Kamerateams bei meiner Arbeit begleitet und habe versucht die Vielfalt und den wirklichen Nutzen dieses Bereiches zu zeigen. Die schlussendlich im TV präsentierten Ausschnitte waren oft reduziert auf das gemeinsame Kochen und die Rückenschule, die ich zweimal die Woche für die Kollegen angeboten habe. So dargestellt klingt der Job dann eben nach einer Mischung aus Mutti für Alles und Animateurin im Cluburlaub. Das macht bestimmt auch einen kleinen Teil der Arbeit aus, aber wir sind hier eben nicht im Urlaub, sondern auf der Arbeit.

Hier, wo wir im Schnitt 40 Stunden die Woche zubringen. Hier, wo wir Abgabefristen im Nacken haben, wo wir auf Knopfdruck Leistung erbringen müssen, wo eine Wirtschaftskrise einen Einfluss auf unsere Zukunft haben kann. Und diese Arbeitswelt, in der wir uns bewegen, ändert sich dazu auch noch - und zwar stetig. Der Druck wird höher, die Abgabefristen kürzer, die Konkurrenz stärker. Und auch wir ändern uns. Arbeitnehmer bleiben heute nur noch selten ihr ganzes Leben in einem Unternehmen oder sogar im selben Beruf. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung ist in der Gesellschaft angekommen, ob er nun finanziell oder ideologisch angetrieben ist - gute Mitarbeiter können sich ihren Arbeitgeber aussuchen und sie sind viel schwieriger zu halten. 

"Das sind alles leere Phrasen, ich brauche Zahlen und Fakten" unterbricht mich der selbige Unternehmer, der sich noch immer unter meinen Zuhörern befindet. Also liefere ich ihm Zahlen, die ich dazu gefunden habe:

  • jährlich wechseln derzeit ca 14 % der Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz – Tendenz steigend
  • Studien zeigen, dass glückliche Mitarbeiter eine bis zu 31% höherer Produktivität zeigen und 3x so kreativ sind, wie ihre demotivierten Kollegen
  • In den 1970er Jahren machten Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nur 2% der Fehltage aus – heute rund 15 % und der durchschnittliche Ausfall liegt bei 39 Tagen pro Arbeitnehmer.
  • Im Jahr 2016 waren Rückenschmerzen für über 40 Millionen Fehltage verantwortlich

Stellen Sie sich vor, sie verlieren in diesem Jahr zwei ihrer besten Mitarbeiter an die Konkurrenz. Und die verbleibenden Mitarbeiter sind 25% weniger produktiv, weil sie einfach demotiviert sind (vielleicht ist das jetzt schon so). Und darum fallen 10 % mit Burnout aus. Richtig angewandtes Feelgood-Management kann all diesen Fällen entgegenwirken und somit einen direkten Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens haben.


Dafür braucht es aber mehr als den obligatorischen Kickertisch. Dafür muss zuerst einmal genau analysiert werden wo die Probleme im jeweiligen Unternehmen liegen. Wie ist die derzeitige Stimmung im Team und kann man eigentlich schon vom "Team" sprechen? Was sind die Blocker, die ein agiles Arbeiten verhindern? Wodurch werden Kollegen demotiviert? Diese und andere Faktoren werden analysiert und daraufhin ein Konzept entwickelt. Oft hilft es schon die Fehlerquellen zu erkennen und kleine Änderungen zu schaffen. Denn ein Unternehmen, welches sich aktiv damit beschäftigt, dass es seinen Mitarbeitern gut geht ist schon auf dem richtigen Weg.

Der Feelgood-Manager weist auf diesen hin, hilft Hindernisse zu erkennen und aus der Bahn zu schaffen. Und sorgt dafür, dass der gemeinsame Weg Spaß macht. Spaß bei der Arbeit? Ja das geht - und wie! Wenn Kollegen gern zur Arbeit kommen, habe ich einen großen Teil meiner Arbeit richtig gemacht. Wenn sie nach der Arbeit noch Kraft und Energie für ihre verdiente Freizeit haben und diese genießen können, dann hat das Feelgood-Management funktioniert. 

In der Tiefgarage treffe ich den Unternehmer, der in diesem Moment den Weg nach Hause in die Navigation seines Smartphones eintippt. "Sowas haben wir früher nicht gebraucht - aber es macht das Leben so viel angenehmer und schöner, oder? ." Er lächelt und nickt zustimmend. Und ich habe das Gefühl, die Welt wieder ein klitzekleines bisschen verändert zu haben.