sitegeist on Tour Blog

Ein sitegeist in Taipeh

Azubi Dogan verbrachte 2,5 Wochen an einer Partneruni in Taiwan und berichtet von seinen spannenden Erfahrungen und einer aufregenden Reise.

Als ich im letzten Jahr zum ersten Mal davon hörte, dass meine Berufsschule (Berufsschule ITECH Elbinsel Wilhelmsburg) Austauschprogramme zu ihrer Partneruni nach Chicago (Robert-Morris-Universität) und erstmalig auch nach Taiwan (Ming Chi University of Technology) anbietet, war ich sofort von der Idee begeistert daran teilzunehmen. Bei sitegeist nahm man meine Idee ebenso begeistert auf und so meldete ich mich für das Losverfahren, der ersten Austauschreise nach Taiwan an. Nach ein paar Wochen erfuhr ich, dass ich einer der 17 Glücklichen war, die diese Reise im Juni 2018 antreten durften.

So machte ich mich dann am Abreisetag als gespannter „Sitegeist“ auf den Weg zum Flughafen. Die erste Etappe war ein Flug nach Dubai. Wir flogen mit Emirates und kamen nachts in Dubai an. Nach 2 Stunden Aufenthalt und einer kurzen Zugfahrt zwischen den Terminals ging es in den A380 und 9 Stunden weiter nach Taipeh. Trotz des großen Flugzeugs war der Flug ganz schön beengt, da ich in der Mitte saß und neben mir ein 2,10 großer Mitschüler. Einige Filme später kamen wir etwas müde und ziemlich hungrig in Taipeh an. Dort wurden wir dann erstmal vom ungewohnten Klima in Empfang genommen – 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit. Wir fuhren zu unserem Hostel, was für die nächsten 2 Wochen unser Zuhause sein sollte. Wir teilten uns zu fünft ein Zimmer, mit mehreren Etagenbetten. Das Hostel war zwar sehr minimalistisch und die Zimmer klein, vor allem das Bad, aber es war sauber und wir fühlten uns wohl dort.

Als erstes suchten wir uns zusammen etwas zu essen. Wir probierten die traditionellen Teigtaschen, gefüllt mit Suppe aus, die uns sehr gut geschmeckt haben. Nach dem Essen hatten wir Freizeit, die einige dazu nutzten sich von der Anreise zu erholen und früh aufs Zimmer gingen. Andere feierten eine kleine inoffizielle Party im Park vor dem Hostel.

Die nächsten zwei Tage, Samstag und Sonntag, nutzten wir für Sightseeing durch Taipeh und verschafften uns einen ersten Eindruck von der Stadt. Wir sahen uns traditionelle Theater und Tempel an, das bekannte Finanzzentrum Taipei 101, sowie einen Nightmarket. Dort gab es jede Menge Streetfood, Gemüse, Gewürze, Kleidung und Schmuck und viele extreme, intensive Gerüche. An einem Stand lag ein ganzes Schwein auf dem Tresen (bei nächtlichen 30 Grad) aus dem durchgehend Stücke für Mahlzeiten rausgeschnitten wurden.

Die Stadt selbst sticht besonders durch ihre viele unterschiedlichen Bauweisen heraus. Kein Haus gleicht dem anderen, alle scheinen bunt zusammengewürfelt. Das macht die Stadt wirklich interessant. Aufgefallen ist uns auch der Verkehr, der offensichtlich anderen Regeln unterliegt als bei uns. Das Ganze wirkt schon sehr chaotisch, daran musste man sich erstmal gewöhnen. Nach zwei Tagen Sightseeing mit vielen spannenden Eindrücken, sollte es dann am nächsten Morgen zu unserer Partner-Uni gehen.

Montag Morgen hieß es um 6 Uhr Aufstehen, denn 5 Leute wollten duschen gehen und die Anreise zur Uni sollte mit Bus und Bahn etwa eine Stunde dauern. Rechtzeitig um 9 Uhr kamen wir an der Ming Chi University of Technology an und bekamen auf dem Weg einen weiteren Eindruck vom chaotischen Verkehr Taiwans, der aber trotzdem oder grade wegen des chaotischen Fahrstils relativ staufrei über die Bühne ging. In der Uni trafen wir dann auf die Gruppe, mit der wir die nächsten 2 Wochen zusammenarbeiten sollten. Neben uns 17 Azubis, waren 3 Personen aus Chicago vor Ort sowie 20 Personen aus Taiwan und Vietnam. Die Gruppe setzte sich aus angehenden Fachinformatikern, Anwendungsentwicklern, Systemintegratoren, Business- und Design Studenten zusammen.

Der erste Tag diente dazu, dass wir uns alle etwas näher kennenlernen innerhalb der Gruppe. Wir studierten zum Beispiel zusammen einen Tanz ein und spielten diverse Kennenlernspiele mit Luftballons & Co. So ging der erste Tag in der Uni zu Neige. Am nächsten Tag wurden wir in 5 Gruppen aufgeteilt und bekamen das Thema der Projektarbeit vorgestellt, an welchem wir gemeinsam arbeiten sollten. Dabei ging es darum Touristen Taiwan näher zu bringen.

Jeder sollte seine Fähigkeiten einbringen, in jedem Team saßen Studenten aus Design, Business oder IT und jedes Team bearbeitete ein eigenes, unabhängiges Projekt. Die Tage begannen von nun an immer mit Vorträgen der Professorinnen, im Anschluss arbeiteten wir etwa 3 Stunden an unserem Projekt, nach dem Mittag wurden wir immer mit einem Reisebus abgeholt, um uns touristische Attraktionen anzusehen.

Auf diese Weise bekamen wir einen riesigen Einblick in das Land und die Kultur, was uns bei unserer Projektarbeit natürlich enorm weiterbrachte. Auf unseren Ausflügen besuchten wir zum Beispiel eine Porzellanmanufaktur, ein anderes Mal waren wir in einer Fabrik in der Indigoshirts gefärbt wurden. An einem Nachmittag fuhren wir zu der Heimatstadt einer der Professorinnen, einer ländliche Kleinstadt in der man einen Wasserfall besichtigen konnte. Zudem konnte man kleine Papierlaternen mit Wünschen fliegen lassen, ebenfalls eine beliebte Touristenattraktion. 

Dies alles floss in unsere Projektarbeit ein und so entwickelte meine Gruppe eine App mit dem Titel Taiwan together. Mit dieser sollten Reisegruppen dynamische Touren und Ausflüge gestalten können. So konnte man sich beispielsweise Vorschläge für „Sightseeing“ oder „Teehäuser“ anzeigen lassen, inklusive vieler dazugehöriger Infos. Diese waren für englischsprachige Touristen nämlich nicht besonders leicht zu finden. Man konnte unter unterschiedlichen Attraktionen wählen und sich so eine ganz individuelle, genau auf die Reisegruppe zugeschnittene Tour zusammenstellen. Wir kümmerten uns auch um die Kostenplanung oder verschiedene Kooperationspartner, wie Busunternehmen, Teehäuser oder Touristenzentren.

Nach 10 Tagen stellte jede Gruppe das Ergebnis ihrer Arbeit vor und meine Gruppe machte den ersten Platz mit ihrem Entwurf. Neben viel Beifall bekamen wir 200 US Dollar Preisgeld, welches wir untereinander aufteilten. Nach diesem wirklich spannenden Teil des Austausches  wartete noch ein Südtaiwantrip auf uns. Zunächst gab es aber noch eine große Abschlussfeier im Peace Park am Hostel.

Am nächsten Morgen checkten wir aus unserem Hostel aus und fuhren mit unserem Reisebus auf den Berg Alishan. 2000 Meter ging es in die Höhe, dort bezogen wir ein Hotel, was ziemlich altbacken und schmuddelig war. Die Umgebung entschädigte aber dafür, die Landschaft war wirklich beeindruckend. Der ganze Berg war in Wolken gehüllt, das Klima feucht und angenehm kühl.

Am nächsten Morgen standen wir extra um 3 Uhr morgens auf um einen Sonnenaufgang über den Wolken zu sehen. Auch der hat sich absolut gelohnt. Später fuhren wir noch mit einer Lokomotive durch die Berglandschaft. Danach ging es weiter in die Stadt Tainan, die fünftgrößte Stadt Taiwans, die für ihre landestypische, traditionelle Küche bekannt ist. Daher verbrachten wir dort auch viel Zeit mit Essen. Außerdem besuchten wir einen weiteren Nightmarket.

Samstag Morgen checkten wir aus unserem Hotel (das war diesmal wirklich gut) aus und fuhren zurück in Richtung Taipeh. Auf dem Weg sahen wir uns noch weitere interessante Dinge an, darunter einen Tempel, eine holländische Burg sowie ein großes Salzfeld in dem Salz aus dem Meer in kleinen Buchten gewonnen wurde.

Abends kamen wir in Taipeh an und checkten direkt am Flughafen in unseren Flug ein. Die erste Etappe fand wieder mit dem A380 nach Dubai statt und diesmal hatten wir alle auch genug Platz. Weiter ging es von dort nach Hamburg, wo ich nach 40 Stunden Reise nur noch erschöpft uns Bett fiel.

Der Austausch nach Taipeh war wirklich eine großartige Sache und ich bin sehr froh, dass ich daran teilnehmen konnte. Das Land war sehr beeindruckend und die Landschaften und die Natur erinnerte mich auch ein bisschen an mein Heimatland, die Türkei. Die Menschen waren alle unglaublich freundlich und hilfsbereit und versuchten einem jederzeit weiterzuhelfen, wenn man mal nicht weiterwusste.

Ich habe viele tolle Erinnerungen mitgenommen und wertvolle Erfahrungen auch bei der interessanten Projektarbeit gesammelt. Der Austausch war für mich ein echter Gewinn und ein tolles Erlebnis.